Vor langer, langer Zeit lebte im alten China 🎵 ein Mädchen namens Mulan. Sie wohnte mit ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in einem Dorf am Fuß der Berge. Ihr Zuhause war von einem wunderschönen Garten voller Magnolienblüten umgeben, und Mulan verbrachte ihre Zeit am liebsten damit, die zarten Blütenblätter zu bewundern.

An einem sonnigen Tag ritt ein kaiserlicher Bote 🎵 mit wichtigen Neuigkeiten in das Dorf.

„Achtung! Achtung!“, rief er und schlug auf einen Gong 🎵. „Der Kaiser braucht Krieger! Unser Land ist in Gefahr. Jede Familie muss einen Mann für die Armee stellen!“

Mulans Vater, Herr Hua, trat vor. Er war ein alter Soldat, der dem Kaiser schon vor vielen Jahren gedient hatte, doch im Laufe der Zeit hatte seine Gesundheit stark gelitten. Er konnte selbst mit einem Stock kaum noch gehen, und seine Hände zitterten vor Schwäche.

„Ich melde mich freiwillig“, sagte er mit schwacher, aber stolzer Stimme.

Mulan wurde das Herz schwer 🎵. Sie wusste, dass ihr Vater die Strapazen eines Feldzugs nicht überleben würde.

„Vater, bitte …“, begann sie, doch Herr Hua schüttelte den Kopf.

„Es ist meine Pflicht, meine Tochter. Unsere Familie hat stets mit Ehre gedient.“

In jener Nacht konnte Mulan nicht schlafen. Sie lag im Bett und hörte, wie ihr Vater draußen im Hof versuchte, zu trainieren, sich aber alle paar Augenblicke ausruhen musste 🎵. Ein kühner Plan reifte in ihrem Kopf heran.

Als alle schliefen, stand Mulan leise auf. Sie nahm eine Schere und stellte sich vor den Spiegel.

„Für dich, Vater“, flüsterte sie und begann, ihr langes, schwarzes Haar abzuschneiden.

Dann schlich sie in das Zimmer ihres Vaters und nahm seine Rüstung und sein Schwert. Sie zog die Männerkleidung an und betrachtete ihr Spiegelbild. Sie sah aus wie ein junger Bursche.

Bevor sie ging, schrieb sie einen Brief: „Liebe Familie, seid nicht wütend. Ich tue dies aus Liebe. Ich werde zu euch zurückkehren. Eure Mulan.“

Im Mondschein stieg sie auf ihr Pferd 🎵 und galoppierte in Richtung des Militärlagers.

Im Lager stellte sich Mulan als „Ping“ vor, der Sohn von Hua.

„Willkommen, Ping!“, rief Kommandant Li Shang. „Ich sehe, du bist jung. Bist du bereit für ein hartes Training?“

„Ja, Kommandant!“, antwortete Mulan mit der tiefsten Stimme, die sie zustande brachte.

Zuerst war es sehr schwer. Die anderen Soldaten waren stärker und schneller. Bei den Kraftübungen konnte Mulan ihre Ausrüstung kaum anheben.

„Hey, Ping! Brauchst du Hilfe?“, lachten einige Soldaten.

Doch Mulan freundete sich bald mit drei Soldaten an: Yao, der am stärksten war, Ling, der immer Witze machte, und Chien-Po, der riesig, aber sehr sanftmütig war.

„Gib nicht auf, Ping“, sagte Chien-Po eines Tages, als Mulan völlig erschöpft war. „Wir haben alle mal klein angefangen.“

Mulan gab nicht auf. Sie trainierte härter als alle anderen. Sie wachte noch vor dem Morgengrauen auf und übte, während die anderen noch schliefen 🎵. Anstatt mit reiner Kraft zu kämpfen, lernte sie Strategie und geschickte Bewegungen. Sie beobachtete die Vögel im Flug 🎵, das Wasser, das in den Bächen floss 🎵, und den Wind, der durch die Blätter wehte 🎵. Die Natur lehrte sie Gleichgewicht und Beweglichkeit.

Allmählich wurde sie besser. Kommandant Li Shang bemerkte ihre Fortschritte.

„Ping, ich sehe, du hast eine besondere Begabung für Strategie“, sagte er eines Tages. „Du denkst anders als die anderen Soldaten. Das ist eine wertvolle Fähigkeit.“

Mulan lächelte voller Stolz.

Nach mehreren Wochen des harten Trainings zog die Armee in die Berge 🎵. Sie marschierten durch schmale Pässe, während auf beiden Seiten steile, schneebedeckte Gipfel in die Höhe ragten.

An einem frostigen Morgen rannte ein Späher in das Lager.

„Kommandant Li Shang!“, rief er völlig außer Atem. „Feindliche Truppen nähern sich durch den Hauptpass! Es sind mehr, als wir dachten!“

Allen Soldaten wurde mulmig zumute. Mulan blickte auf die Berge, die mit einer dicken Schneeschicht bedeckt waren.